VIBE Coding hat die Softwareentwicklung verändert – Entwickler geben ihrem KI-Assistenten Anweisungen in natürlicher Sprache, statt Code Zeile für Zeile zu schreiben. Dieses Prinzip hält jetzt Einzug ins Projektmanagement: VIBE PM bedeutet, Tools wie Altus, Projectum xPM und Atlassian Jira direkt per KI-Befehl zu steuern – über Claude Cowork oder Microsoft Copilot Cowork, ganz ohne umständliche Klick-Wege durch Menüs und Masken.
Was ist VIBE Coding – und warum betrifft das Projektmanager?
Der Begriff „VIBE Coding" tauchte Anfang 2025 in der Entwickler-Community auf und beschreibt eine neue Art zu programmieren: Statt selbst Code zu schreiben, beschreibt der Entwickler dem KI-Assistenten in natürlicher Sprache, was er braucht – und die KI setzt es um. Tools wie GitHub Copilot oder Claude Code haben diese Arbeitsweise salonfähig gemacht. Fehler werden im Dialog behoben, Iterationen laufen in Minuten, nicht Stunden.
Was zunächst wie ein Entwickler-Phänomen klingt, hat eine direkte Konsequenz für alle, die mit komplexen Software-Systemen arbeiten – also auch für Projektmanager und PMOs. Wenn KI-Assistenten heute schon Code generieren und Datenbanken abfragen können, warum sollten sie nicht auch Projekte anlegen, Ressourcen planen oder Tickets erstellen? Genau hier setzt VIBE Projektmanagement an.
VIBE PM: Das Konzept erklärt
VIBE Projektmanagement überträgt das Kernprinzip auf die Welt der PM-Tools: Der Projektmanager kommuniziert mit einem KI-Assistenten in natürlicher Sprache, der Assistent übersetzt die Anforderung in konkrete Aktionen im dahinterliegenden PM-System – und führt sie aus. Der Klick-Weg durch Menüs und Masken entfällt.
Das ist mehr als ein Komfort-Feature. VIBE PM verändert, wie Projektinformationen erfasst, aktualisiert und kommuniziert werden. Ein Statusupdate nach einem Meeting ist kein manueller Dateneingabe-Prozess mehr, sondern ein kurzer Dialog: „Aktualisiere den Projektfortschritt auf 65 %, verschiebe den Meilenstein M3 auf den 15. Mai und erstelle eine interne Notiz für das Steuerkomitee." Der Assistent führt alle drei Aktionen aus – in den richtigen Tools, mit den richtigen Daten.
Für PMOs bedeutet das: Weniger Pflege-Aufwand in den Systemen, mehr Zeit für inhaltliche Arbeit. Die Qualität der Projektdaten steigt, weil die Hemmschwelle zur Aktualisierung sinkt.
Microsoft und Atlassian PPM mit VIBE-Ansatz
VIBE PM funktioniert nicht mit einem universellen Tool – es braucht KI-Assistenten, die über konkrete Schnittstellen mit den jeweiligen PM-Systemen verbunden sind. Für die drei Plattformen, die bei Holert-Kunden am häufigsten im Einsatz sind, sieht das so aus:
Vibe Projektmanagement mit Altus PPM
Altus (ehemals Sensei IQ) ist eine auf der Power Plattform aufbauende PPM-Lösung, die vollständig in der Microsoft 365-Umgebung lebt. Da sie auf dem Microsoft Dataverse basiert, kann Microsoft Copilot direkt auf die Projektdaten zugreifen – ohne zusätzliche Konfiguration. Über Copilot-Befehle lassen sich Projekte abfragen, Aufgabenstatus aktualisieren, Ressourcenzuweisungen anpassen und Berichte generieren. Claude Cowork ergänzt dieses Bild als plattformübergreifender Assistent, der über den Dataverse-MCP-Connector ebenfalls auf Altus-Daten zugreift und dabei auch Aktionen ausführen kann, die über die Standard-Copilot-Grenzen hinausgehen.
Vibe Projektmanagement mit Projectum xPM
Projectum xPM (Power PPM) die modulare PPM-Plattform von Projectum, die vollständig auf der Microsoft Power Platform aufbaut. Da xPM auf dem Dataverse aufsetzt, gilt dasselbe wie für Altus: Microsoft Copilot versteht die Datenstrukturen, kann Portfolioübersichten liefern, Projektanträge erfassen und Ressourcenauslastungen abfragen. Über Claude Cowork mit Dataverse-Connector lassen sich darüber hinaus komplexere Operationen ausführen – etwa das gleichzeitige Aktualisieren mehrerer Projekte oder das Generieren von Berichten nach individuellen Mustern, die ein Standard-Copilot-Plugin nicht abdeckt. VIBE PM mit xPM heißt: Der PMO-Mitarbeiter beschreibt seinen Bedarf, der Assistent führt ihn im richtigen Modul aus.
Atlassian – Jira und Confluence via Claude Cowork
In der Atlassian-Welt – also Jira Software, Jira Service Management und Confluence – ist Claude Cowork aktuell der mächtigste VIBE-PM-Assistent. Über den Atlassian-MCP-Connector kann Claude Tickets anlegen, Statuswechsel durchführen, interne Notizen hinzufügen, JQL-Suchabfragen ausführen und Confluence-Seiten erstellen oder aktualisieren. Atlassian Rovo bietet eine eigene KI-Schicht, die ebenfalls auf natürliche Sprachbefehle reagiert – fokussiert auf die Atlassian-eigenen Produkte. Für Teams, die Jira als zentrales Projektsteuerungs-Tool nutzen, eröffnet VIBE PM hier das größte Automatisierungspotenzial: Vom Sprint-Setup über das Ticket-Triage bis zur Retrospektive-Dokumentation in Confluence.
VIBE PM in der Praxis: Konkrete Beispielbefehle
Theorie ist gut, Praxis ist besser. Hier sind konkrete Beispiele, wie VIBE Projektmanagement im Alltag eines Projektmanagers aussieht:
Altus/Projectum xPM via Cowork:
„Zeige mir alle Projekte im Portfolio, bei denen der Fertigstellungsgrad unter 40 % liegt und der geplante Endtermin in den nächsten 30 Tagen ist." – Der Assistent liefert eine gefilterte Übersicht direkt aus dem Dataverse.
„Verschiebe den Meilenstein ‚Go-Live Modul 3' im Projekt XY auf den 2. Juni und aktualisiere die betroffenen Ressourcenpläne." – Der Assistent führt die Änderung aus und protokolliert sie.
„Erstelle einen Statusbericht für das Steuerkomitee auf Basis der aktuellen Projektdaten." – Der Assistent zieht die relevanten Felder und generiert einen strukturierten Bericht.
Atlassian Jira via Cowork:
„Erstelle im Help Desk ein neues Ticket vom Typ ‚Bug' mit dem Titel ‚Login schlägt fehl bei SSO-Authentifizierung', hoher Priorität, füge die Zusammenfassung aus unserem letzten Meeting ein"
„Wechsle den Status aller offenen Tickets im Sprint ‚April-Sprint', die seit mehr als 5 Tagen keine Aktivität hatten, auf ‚Blockiert' und füge eine interne Notiz hinzu."
„Erstelle eine Confluence-Seite im Bereich ‚Projektdokumentation' mit dem Meeting-Protokoll vom heutigen Jour Fixe."
Diese Beispiele zeigen: VIBE PM ist keine Spielerei. Es reduziert den administrativen Aufwand messbar – und macht PM-Systeme für alle Beteiligten zugänglicher, auch für Teammitglieder, die keine Power-User der jeweiligen Plattform sind.
Claude Cowork vs. Copilot Cowork: Welcher Assistent passt?
Beide Assistenten haben ihre Stärken, und die Entscheidung hängt vom konkreten Einsatzfeld ab. Microsoft Copilot ist die natürliche Wahl, wenn das gesamte PM-Ökosystem auf Microsoft 365 aufbaut – also Altus, xPM, Teams, Outlook und SharePoint nahtlos zusammenspielen. Die tiefe Integration in die Microsoft-Welt bedeutet: Copilot kennt den Kontext aus E-Mails, Meetings und Dokumenten und kann ihn in PM-Aktionen übersetzen.
Claude Cowork punktet dort, wo plattformübergreifende Aktionen gefragt sind oder wo die Microsoft-Standardintegration nicht ausreicht. Die Stärke liegt in der Flexibilität: Über MCP-Konnektoren lassen sich Atlassian, HubSpot, Dataverse, Outlook und viele weitere Systeme gleichzeitig ansprechen. Ein einziger Befehl kann ein Jira-Ticket anlegen, das Projektteam per Teams benachrichtigen und den Status in Altus aktualisieren – über Plattformgrenzen hinweg. Für PMOs, die heterogene Tool-Landschaften betreuen, ist das ein entscheidender Vorteil.
In der Praxis setzen viele Teams auf beide: Copilot für die tiefe Microsoft-Integration im Tagesgeschäft, Claude Cowork für komplexere, systemübergreifende Workflows.
Was PMOs jetzt konkret tun können
VIBE PM ist kein Zukunftsprojekt – die Werkzeuge sind heute verfügbar. Der pragmatische Einstieg gelingt in drei Schritten. Zunächst sollten PMOs eine Bestandsaufnahme der genutzten PM-Tools machen und prüfen, welche bereits MCP-Konnektoren oder CLI unterstützen. Altus und Projectum xPM sowie Atlassian Jira kommen mit Standard MCP Konnektoren und CLI. Dort wo die Standard MCP Konnektoren an ihre Grenzen stoßen bietet Holert erweiterte MCP Konnektoren.
Im zweiten Schritt empfiehlt sich ein Pilot-Szenario: Ein PMO-Mitarbeiter übernimmt für vier Wochen eine klar definierte, wiederkehrende PM-Aufgabe – zum Beispiel das wöchentliche Statusupdate oder das Sprint-Setup in Jira – vollständig über den KI-Assistenten. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse zeigen, wo VIBE PM den größten Hebel hat und wo noch manuelle Eingriffe nötig sind.
Im dritten Schritt werden die erfolgreichsten VIBE-PM-Workflows dokumentiert und schrittweise auf weitere Teammitglieder ausgerollt. Entscheidend dabei: Die KI ist kein Ersatz für PM-Kompetenz, sondern ein Werkzeug, das diese Kompetenz schneller und breiter wirksam macht. Wer seine Prozesse kennt, kann sie mit VIBE PM signifikant beschleunigen.
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